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Umgangsformen an der HTL Villach

STILVOLL BEI TISCH - WORKSHOP IN ZUSAMMENARBEIT MIT DEM CHS VILLACH

Vor einigen Jahren begann ich auf Anregung der Kollegin Obtresal, meiner jeweiligen Tiefbau-Maturaklasse eine besondere Art von Unterricht angedeihen zu lassen, die zwar nicht im Lehrplan zu finden ist, im Leben jedoch eine enorme Bedeutung hat. Das adäquate Benehmen in Gesellschaft, die jeweils passende Kleidung und das stilvolle Verhalten bei Tisch sollten den Schüler/inne/n so anschaulich und einprägsam wie möglich, dabei jedoch entspannt und genussvoll vermittelt werden.

Nachdem diese Art der Wissensvermittlung bei allen Beteiligten und auch den Eltern enorm positives Echo hervorgerufen hatte, setzte der Kollege Luh diese "Tradition" im Jahr 2008/2009 mit seiner damaligen Tiefbau-Maturaklasse fort. Daraus entwickelte sich die Idee, diese Option generell allen Abschlussjahrgängen zu eröffnen und als Qualitätsmaßnahme unserer HTL im Bereich der Umgangsformen zu etablieren.

Auf Basis der wunderbaren Zusammenarbeit mit der - trotz ihrer mittlerweile erfolgten Pensionierung weiterhin - sehr engagierten Kollegin Renelde Jost und ihren Kolleg/inn/en vom CHS konnten wir für alle bisher folgenden Schuljahre zumindest vier Termine fixieren. So war es einem Großteil der Maturant/inn/en aus allen Abteilungen möglich, diese außergewöhnliche Gelegenheit zu nutzen.

Außergewöhnlich sind mitunter auch die dabei absolvierten Lernprozesse:
Für den einen oder anderen Schüler war allein schon die Begrüßung durch die Kollegin Jost einigermaßen überraschend - sie hörten nämlich ein entschiedenes "Nein!", gingen der Kontrolle ihrer Grußhand verlustig und mussten jäh gebremst innehalten.

Sie hatten beiläufig einen schlappen Haut- und Knochenwulst hingehalten und im unkonzentrierten Vorbeieilen eine kaum verständliche Grußformel gemurmelt. Erst als sie einen konkreten Händedruck, den entsprechenden Blickkontakt und eine deutliche Begrüßung absolviert hatten, durften sie in den Saal treten.

In Ihren Einleitungen erwähnt Frau Jost gerne den eher selten beachteten ursprünglichen Beweggrund des Freiherrn von Knigge. Dieser war nämlich nicht das Antrainieren heutzutage manchmal gespreizt wirkender Benimmregeln, sondern der generell respektvolle Umgang miteinander. Und das respektvolle Wahrnehmen beginnt eben schon mit der entsprechenden Begrüßung.

Dass Kulturtechniken in ihrem Kern gelebte Respektsbezeugungen sind, zieht sich durch die gesamte Veranstaltung und hinterlässt regelmäßig sehr intensive Eindrücke bei den Schüler/inne/n. Neben dem jedes Mal optisch und kulinarisch wunderbar aufbereiteten Essen sind es vor allem die immer wieder mit viel Enthusiasmus eingeflochtenen Wissenshäppchen, die nachhaltig wirksam bleiben. So wird nicht nur die Vorfreude der jeweiligen Klassen mehr als erfüllt, speziell die Intensität und Detailtiefe der vermittelten Kenntnisse übertrifft meist jegliche Erwartung.

Dafür, für das jeweils hervorragende Essen mitsamt Service und für diese exzellente Zusammenarbeit unserer beiden Schulen generell möchte ich mich bei Kollegin Jost, Frau Fachvorstand Tomaschitz und ihrem Team ganz herzlich bedanken.


Roman KARAS